Meine ersten Schritte als unabhängige Evaluatorin mit P2p+

Ein Gastbeitrag von Elba Estrada

Pic Elba

Für den Schritt in die Selbstständigkeit als Beraterin in Monitoring und Evaluation braucht es nicht nur Mut, sondern auch gute Netzwerke. In Ihrem Gastbeitrag berichtet Elba Estrada, Menschenrechtsexpertin und freiberufliche Evaluatorin, von ihrem Findungsprozess und wie sie unter anderem das P2p+-Netzwerk dabei unterstützt hat.

Die ersten zehn Jahre meines Berufslebens war ich in klassischen Rollen im Entwicklungsbereich tätig: im politischen Lobbying in Brüssel, als internationale Menschenrechtsbeobachterin in Guatemala, als Botschafts-Mitarbeiterin im selben Land, und bei den Vereinten Nationen in Honduras. Anfang des Jahres habe ich mich entschieden, eine Pause zu machen und mir Zeit zu nehmen um zu entdecken, was ich „wirklich” machen will, was meine „wahre“ Berufung ist. Bisher hatte mich mein professioneller Werdegang von einem Ort zum anderen getrieben, Gelegenheiten haben sich geboten, ohne dass ich wirklich wirklich drüber nachgedacht hätte. Nun aber hatte ich endlich die Zeit (und das Privileg!), mich mit den Frage zu beschäftigen:, womit will ich mich einen wichtigen Teil meines Lebens beschäftigen? Wie beschreibe ich meinen Job? Wie kann ich anderen Leuten vermitteln, das, was ich mache?

Auf dieser Sinnsuche habe ich das Purpose Fellowship entdeckt. Hier ging es vor allem um Peer-to-Peer coaching. Teil davon war eine „Mastermind Gruppe” von Leuten in gleicher Situation, die mich sehr ermuntert hat, meine Suche zu vertiefen, neue Dinge auszuprobieren, mich zu trauen. Damals hatte ich mehrere Vorstellungen im Kopf, wie es bei mir weitergehen könnte- aber keinen konkreten Plan. Die Evaluation von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit war eine Option unter anderen. Ich hatte die Tätigkeit bei meinem letzten Posten kennengelernt und es war eine tolle Erfahrung.

So habe ich mich -motiviert durch das Purpose Fellowship- für mehrere Online Veranstaltungen zum Thema Evaluation beworben. Dadurch bin ich sehr schnell auf das P2p+ Netzwerk gekommen, eine internationale Initiative für Nachwuchsevaluator*innen. Zunächst habe ich an deren monatlichen Sessions teilgenommen (sowohl für den internationalen, als auch für den lateinamerikanischen Hub). Die Formate des P2p+ Netzwerks: dynamisch, vertrauensvoll und direkt fand ich sehr passend für meine Situation. Ich konnte offene Fragen stellen und bin auf Resonanz gestoßen. Ich habe mich schließlich als Freiwillige in mehreren Arbeitsgruppen eingebracht. Diese Erfahrung als Freiwillige war sehr wichtig für mich, um die Teamarbeit mal anders wahrzunehmen: unter den Freiwilligen hat man keinen Status, keine Position, sondern alle leisten eine wertvolle Arbeit, um zum gemeinsamen Ziel beizutragen. Und alle -egal was für einen Hintergrund sie haben- haben einen wichtigen Beitrag zu leisten. Nebenbei bin ich aktiver auf LinkedIn geworden, habe mehr Kontakte geknüpft, habe mich in der Szene umgeschaut und bin sogar spontan auf Leute zugegangen.

Das P2p+ Netzwerk

Die “Peer-to-Peer Karriereberatungssessions für Nachwuchsevaluator*innen” fördern die Karriereperspektiven für Nachwuchsevaluator*innen in Form von informellen Treffen. Die Sessions bieten einen sicheren Rahmen, wo weniger erfahrene Kollegen Fragen zur Karriere in der Evaluation stellen können. Das Format der Sessions besteht aus Fragen und Antworten, ist nachfrageorientiert und erlaubt die horizontale Diskussion. Das Hauptziel dieser Sessions ist es, der wachsende Bedarf nach Karriereberatung in der Evaluation zu decken. Die Sessions finden in regelmässigen Abständen online in der ganzen Welt und in verschiedenen Sprachen statt.

Mehr Infos finden sich hier http://p2peval.com

 

Aus diesen Netzwerken habe ich viel mehr bekommen, als ich gegeben habe. Am wichtigsten war der Zugang zu einem Netzwerk von erfahrenen Nachwuchsevaluator*innen, die bereit waren, mir zu helfen. Ich wurde sofort in dieser Community aufgenommen und habe mich seit dem von Anfang an sehr wohl darin gefühlt. Was mir am meisten von der Evaluation gefällt ist das Einbringen von der eigenen Fachexpertise als unabhängiger Blick von außen in ein bestehendes Projekt, Organisation, System. Die Evaluation ist ein sehr umfangreicher Bereich ist, wo (fast) alle Disziplinen passen, in dem Networking eine sehr wichtige Rolle spielt, und wo die Kolleg*innen meistens weltoffen und lernbereit sind.

Das erste halbe Jahr, nachdem ich den sicheren Rahmen als Angestellte verlassen habe, war schwierig, und verbunden mit vielen Zweifeln, ob die Entscheidung denn richtig war.  Inzwischen habe ich aber meine ersten Aufträge als Evaluatorin bekommen – eine sehr spannende Aufgabe. Weiterhin bin ich bei dem P2p+ Netzwerk aktiv. Aktuell freue ich mich darauf, am EvalYouth Global Mentoring Programm teilzunehmen und mich so weiter in dem Bereich entwickeln zu können. Es ist eine weitere Gelegenheit, mein Netzwerk auszubauen und mich von anderen Evaluator*innen inspirieren zu lassen.

Wenn ich auf das letzte Jahr zurückschaue, war die wichtigste Erkenntnis, nicht auf den perfekten Startpunkt der neuen Karriere zu warten, sondern „irgendwo” anzufangen und damit Selbstvertrauen in diesem Feld zu gewinnen. Und eine weitere Erkenntnis: man muss kein Profi sein, um an Fachkonferenzen bzw. Veranstaltungen aktiv teilzunehmen. So kann man erfahrene Kolleg*innen kennenlernen, sich mit ihnen auszutauschen und gleichzeitig auf sich aufmerksam zu machen.

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