Quereinstieg mit Neugier und Beharrlichkeit

Interview mit Pia Wahl

Pia

In der Reihe "PME-Karrierewege" erzählen Berater*innen aus den Bereichen Planung, Monitoring und Evaluation von ihren ganz unterschiedlichen Hintergründen und Werdegängen.

In diesem Interview berichtet Pia Wahl, freiberufliche Evaluatorin in der Entwicklungszusammenarbeit, wie sie die Evaluation als spannendes Berufsfeld für sich entdeckt hat, und wie sie als Quereinsteigerin aus dem Handwerk mit Neugier und Beharrlichkeit ihren Weg gegangen ist.

Evelyn Funk: Liebe Pia, ganz herzlichen Dank, dass du dir die Zeit nimmst für ein Interview für den PME-Blog. Es wäre toll, wenn du dich zu Beginn einmal ganz kurz vorstellen könntest.

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Pia Wahl, ca. 1997

Pia Wahl: Ja, schön, dass du mich gefragt hast, Evelyn. Ich heiße Pia Wahl und bin 56 Jahre alt. Nach dem Abitur habe ich eine Lehre gemacht, und zwar auf dem Bau, in der Zimmerei. Das sind die, die Dachstühle bauen und so weiter, die mit den schwarzen Schlaghosen rumlaufen und mit den großen Hüten. Ich war eine der wenigen Frauen, die da unterwegs waren. Ich wurde Meisterin, habe erst eine kleine Firma gegründet, und später mit zwei Kollegen zusammen eine größere Firma. Diese GmbH habe ich als Geschäftsführerin und Meisterin zehn Jahre lang geführt. Dann habe ich meine Anteile verkauft an einen angestellten Meister und bin als Entwicklungshelferin für den deutschen Entwicklungsdienst (DED) nach Ruanda gegangen. Das war mein Weg in die Entwicklungszusammenarbeit.

Evelyn: Das ist ein ziemlicher Bruch. Du hattest dir ja einiges aufgebaut als Zimmermeisterin. Wie kam es denn dazu, dass du dem Beruf den Rücken gekehrt hast? Und konntest du als Entwicklungshelferin deine Erfahrungen als Zimmermeisterin und Geschäftsführerin nutzen?

Pia: Ich sollte als Entwicklungshelferin in der Berufs- und Beschäftigungsförderung arbeiten. Darauf war ich schon fachlich vorbereitet, weil ich eine Firma geführt hatte. Da schreibt man Angebote, macht Beratung, übernimmt die Bauleitung. Viele Management-Aufgaben. Leider wurde nichts aus der Stelle. Nach einem Monat war irgendwie klar, dass es so nicht funktioniert, weil es viele Konflikte gab, aus denen ich mich als Außenstehende raushalten wollte. Der Deutsche Entwicklungsdienst hat mir dann eine andere Stelle angeboten, weil die mich und meinen Mann im Land nicht verlieren wollten. Auf die neue Stelle hätte ich mich normalerweise gar nicht bewerben können. Ich hatte aber ziemlich Lust auf diese Stelle, und ich konnte im Job fortgebildet werden. Ganz konkret war ich Beraterin einheimischer Organisationen, das heißt ich habe Organisationen rund um die Themen Organisationsentwicklung und Projektmanagement beraten. Das hat Spaß gemacht. Und dieser ganze Bereich hat sich dann immer mehr in den politischen Bereich verlagert, was ich auch spannend fand. Also immer mehr Advocacy Lobbying und Beteiligung von Zivilgesellschaft an politischen Entscheidungsprozessen. Zum Beispiel: Wie können zivilgesellschaftliche Organisationen mit ihrem Knowhow und ihrem Wissen Gesetzgebungsprozesse beeinflussen? Wie kann erreicht werden, dass ihre Interessen bei der Erarbeitung von Entwicklungsplänen berücksichtigt werden? Danach bin ich Koordinatorin im Bereich Good Governance in Sambia geworden. Das war in der Übergangsphase der Fusion von DED, InWEnt und GTZ zur GIZ.

Evelyn: Wie lange warst du denn insgesamt im Einsatz? Du warst erst in Ruanda und dann in Sambia, richtig?

Pia: Insgesamt waren es fast acht Jahre.

Evelyn: So lange! Wie kam es denn, dass du dann nach Deutschland zurückgekommen bist? War das eine Voraussetzung für dich als Entwicklungshelferin?

Pia: Ja, ganz grundsätzlich muss man mit einem Entwicklungshelfer-Vertrag nach zwei Verträgen zurückkommen. Ich hätte natürlich mit der GIZ noch in ein anderes Land gehen können als Expertin. Das wollte ich aber nicht, das wollten wir nicht. Mein Mann und ich, wir hatten beide das Gefühl, dass wir einem neuen Land nicht mehr gerecht werden können. Vielleicht in ein paar Jahren mal irgendwann wieder, aber nicht jetzt. Man lässt sich ja sehr ein, und es war schon schwierig gewesen, direkt im Anschluss an Ruanda nach Sambia zu kommen, in ein komplett anderes Land. Jetzt noch ein drittes Land einfach so hinterher, das wäre zu viel gewesen. Emotional zu viel. Darum sind wir dann gerne wieder zurückgekommen nach Deutschland.

Evelyn: Und dann hast du irgendwie deinen Weg zum Thema Evaluation gefunden. Und das ist ja auch das Thema des Blogs. Erzähl doch mal, wo da deine ersten Berührungspunkte waren.

Pia: Mein erster Berührungspunkt mit einer Evaluation war, dass gegen Ende meiner Zeit in Sambia eine Programm-Evaluierung für ein Good Governance Programm gemacht wurde. Das wurde noch von der GTZ initiiert, aber da wir schon in der Fusionsphase waren, waren wir vom DED auch eingebunden. Und das war unheimlich schwierig. Es gab in vielen Ländern große Auseinandersetzungen, viel Gerangel. Und da die Evaluation von der GTZ initiiert war, habe ich gedacht, naja, die werden uns sowieso ignorieren. Schon zuvor war uns ständig signalisiert worden, dass man uns nicht braucht und man gar nicht wüsste, warum wir da sind. Es war keine Wertschätzung da. Und dementsprechend habe ich dann im Rahmen der Evaluation in den Interviews meine Antworten gegeben. Ich wollte ganz ehrlich sein, habe aber gedacht, naja, das werde ich mal sehen, was ihr damit macht. Ich dachte, es kommt eh nichts bei rum. Trotzdem habe ich gesagt, was wir gemacht haben, auch mit den Partnern. Da waren ein paar gute Ergebnisse dabei. Und als ich dann in der Schlussveranstaltung saß, war ich sehr überrascht, weil ich gesehen habe: das sind ja alles unsere Ergebnisse. Sie haben alles verifiziert und waren echt hinterher. Und da war ich beeindruckt, richtig beeindruckt. Das hätte ich so niemals erwartet. So habe ich Vertrauen gefasst in den Evaluationsprozess.

Evelyn: Die Evaluator*innen haben also kritische Punkte mit aufgenommen und dem Auftraggeber nicht nach dem Mund geredet, sondern unabhängig gearbeitet?

Pia: Ja. Sie haben unabhängig gearbeitet und sich um Verifizierung bemüht. Die Partner haben viel von dem bestätigt, was ich gesagt hatte. Wenn ich manche kritische Themen nicht so ganz prominent auf den Tisch gebracht hätte, wären sie denen vielleicht auch nicht nachgegangen.

Evelyn: Das war dann also für dich ein Aha-Moment, eine erste Berührung mit der Evaluation.

Pia: Ja, nach der Erfahrung habe ich auf jeden Fall direkt eine positive Einstellung zur Evaluation gehabt, und auch gemerkt, dass das etwas bringt, wenn jemand extern drauf guckt. Das ist nicht nur eine Rechtfertigung, sondern auch eine Lernschleife. Der ganze Prozess kann etwas bringen. Ich habe nach meiner Rückkehr nach Deutschland noch ein Jahr bei Brot für die Welt als Projektverantwortliche in Berlin gearbeitet. Aber da war mir schon klar, dass das wahrscheinlich mehr interims-mäßig ist, weil ich gar nicht in Berlin leben wollte. In dem Jahre habe ich mir überlegt, was ich machten könnte, und kam zu dem Schluss, dass ich gerne als freie Beraterin arbeiten würde. Dass es mir da wesentlich besser gefallen würde. Aber wie kommt man in den Bereich rein? Ich habe Lebensläufe verschickt an Consultings. Aber in den Karteien geht man unter, wenn man nicht ganz präzise sagen kann, wo die eigenen Kompetenzen liegen.

Evelyn: Und so eine Spezialisierung, so ein besonderes Fachgebiet hattet du noch nicht?

Pia: Nein, der Good Governance Bereich ist ein sehr softer Bereich. Ein politischer Bereich, der viele Berührungspunkte hat mit Menschenrechten. Ich hatte auch viel Erfahrung in der Projektplanung sowie Durchführung und im Monitoring, fühlte mich aber nirgends als Expertin.

Evelyn: Was war denn deine Strategie, um doch einen Einstieg zu finden?

Pia: Noch bevor ich nach Deutschland zurückgekommen war, hatte ich in Ruanda lange mit einem bestimmten Tool gearbeitet. Das heißt Participatory Impact Monitoring und wurde von FAKT in Stuttgart entwickelt. Mit diesem Tool habe ich Monitoring-Systeme für und gemeinsam mit  kleineren Organisationen aufgesetzt. Die im Tool vorhandenen Visualisierungen, auch die Übersetzungen, habe ich gerne genutzt. Damals hatte sich schon der Austausch mit einem Kollegen ergeben, der mit FAKT gearbeitet hat und der das auch entwickelt hat. Er war immer sehr interessiert an Feedback. Das fand ich irgendwie toll, dass meine Erfahrungen aus der Praxis aufgenommen wurden. Ich war ja im Prinzip doch Anfängerin in dem Bereich. Aber weil diese Kommunikation so gut war, bin ich irgendwann einfach mal nach Stuttgart gefahren zu FAKT. Ich habe mich persönlich vorgestellt und gesagt, dass ich gerne mal für sie arbeiten würde. Mir wurde gesagt, dass es am einfachsten wäre, wenn sie mich bei einer Evaluierung mitlaufen lassen würden.

"..wenn du einen Teamleiter oder ein Team hast und vielleicht an dritter oder vierter Stelle stehst, dann kannst du gut mit rein gehen. Ich habe so am Anfang zu zweit Evaluierungen gemacht mit ganz erfahrenen Leuten, die mir konkret gesagt haben, was ich machen sollte. Das hat gut funktioniert. "

Pia Wahl

Evelyn: Einfacher verglichen mit welchen Bereichen?

Pia: Mit direkter Beratung zum Beispiel. Da wollen sie die Expertise schon wirklich sehen. Aber wenn du einen Teamleiter oder ein Team hast und vielleicht an dritter oder vierter Stelle stehst, dann kannst du gut mit rein gehen. Ich habe so am Anfang zu zweit Evaluierungen gemacht mit ganz erfahrenen Leuten, die mir konkret gesagt haben, was ich machen sollte. Das hat gut funktioniert. Aber natürlich habe ich gemerkt, dass ich über Evaluation zu wenig weiß, und habe dann die Fortbildung Evaluation in der Entwicklungszusammenarbeit (FEEZ) mitgemacht. Das hat richtig etwas gebracht für mich; ich habe da viel gelernt. Sehr schade, dass es das nicht mehr gibt.

Evelyn: Ja. Ich glaube, 2014 war es vorbei. Das heißt, du blickst jetzt insgesamt zurück auf knapp zehn Jahre. In der Zeit hast du wahnsinnig viel gemacht, ich kenne ja deinen Lebenslauf. Da reiht sich ein Projekt an das andere. Kannst du mal erzählen, was für dich der größte Erfolg oder das schönste Erlebnis im Zusammenhang mit einer Evaluation war?

Pia: Schön ist es immer, wenn man zum Schluss das Gefühl hat, das hat jetzt wirklich etwas gebracht. Und besonders schön ist es, wenn das Feedback auch von den Partnern kommt. Also, wenn beispielsweise zum Schluss einer Evaluation während eines Briefings der Partner sagt, „wir hatten am Anfang wirklich Bedenken, und Angst, ob ihr das überhaupt versteht. Und ob das uns etwas bringt, da wollten wir gar nicht drüber nachdenken. Wir mussten die Evaluation halt machen, aber jetzt haben wir tatsächlich Ergebnisse auf dem Tisch, mit denen wir wirklich weiterarbeiten können. Vielen Dank, das hilft uns jetzt wirklich.“ Das sind schöne Erlebnisse, praktisch die Adelung zum Schluss. Das schafft man natürlich nicht immer, aber ab und an kann man wirklich alle mitnehmen. Oft hängt es von den Gegebenheiten ab, wieviel Zeit hat man, wie tief man reingucken darf usw., ob man überhaupt die Chance bekommt, in die Tiefe zu gehen. Aber wenn es geht, dann ist es toll.

Evelyn: Ich muss jetzt natürlich auch noch einmal nach dem Gegenstück dazu fragen. Fällt dir spontan ein Beispiel für einen Misserfolg im Rahmen einer Evaluation ein, oder für ein unschönes Erlebnis?

Pia: Ja, auf jeden Fall. Ich hatte beispielsweise schon das Gefühl, ich werde benutzt und manipuliert. Und es geht überhaupt nicht darum, dass ich jetzt hier etwas herausfinde, sondern, dass ich jetzt hier nichts Falsches sage, oder die falschen Fragen stelle, und auch nicht mit den falschen Leuten rede. Das ist unangenehm, wenn ich so gelenkt werde. Wenn es nur darum geht, einen Bericht zu bekommen, der ein unabhängiges Sigel hat aber eigentlich nur rechtfertigen soll, was eh gemacht wird, ohne dass ich wirklich tief reingucken kann. Das passiert. Solche Konflikte kann man leider nicht immer lösen, weil man ja auch abhängig ist. Nicht in dem Sinne, dass die Menschen einem wohlgesonnen sein müssen, sondern so, dass man an die Menschen gar nicht rankommt. Gerade wenn wenig Zeit ist und wenn man keine Unterstützung bekommt, bestimmte Informationen zu erhalten. Oder wenn man vor Ort ist und schon vorgegeben ist, wohin man reisen darf, und es gibt gar keine Flexibilität. Und wenn man dann nachher feststellt, dass man nur potemkinsche Dörfer gesehen hat. Das ärgert mich dann, aber es passiert.

Evelyn: Aus Datenschutzgründen frage ich jetzt nicht nach konkreten Beispielen; der Punkt ist ja so sehr klar geworden. Jetzt habe ich aber nochmal eine ganz andere Frage. Was würdest du denn sagen, welche drei wichtigsten Fähigkeiten oder Kompetenzen Evaluator*innen mitbringen müssen?

Pia: Erst mal muss man methodisch wissen, was man da tut. Man muss ein Handwerkszeug haben, das finde ich schon wichtig. Man muss auch neugierig sein und Lust auf das Thema haben. Lust, die richtigen Fragen zu stellen. Und ein ehrliches Interesse an dem, was am Ende rauskommt. Es darf nicht einfach nur irgendeine plumpe Datensammlung sein, sondern man muss sich auch wirklich dafür interessieren und versuchen, es zu durchdringen und die richtigen Fragen zu stellen. Und dann finde ich noch wichtig, dass man standhaft ist und seine Prinzipien hat. Dass man, auch wenn irgendwelche Dinge unangenehm werden, das nicht emotional nimmt, sondern ein Fels in der Brandung ist. Auch wenn einen Leute versuchen anzugreifen oder angreifbar zu machen. Da muss man einfach ruhig bleiben und zu sich selbst sagen, ihr könnt das jetzt versuchen – aber nicht mit mir. Natürlich sollte man immer freundlich und respektvoll bleiben, man muss aber auch klar machen, wo seine Grenzen sind bzw. auch danach handeln. Mir ist das schon zwei, drei Mal passiert, vielleicht weil ich eine Frau bin. Da haben die Leute gedacht, dass sie mit mir ein einfaches Spiel hätten – aber ich habe sie nicht einfach spielen lassen. Es kommen ja auch so Sachen vor, dass jemand versucht, etwas zu vertuschen, Richtung Veruntreuung. Nicht oft, aber ich habe es schon erlebt. Da ist dann  Angriff der beste Weg der Verteidigung. Wenn mich Leute massiv unter Druck setzen, auch vor Ort, dann werde ich ganz hellhörig. Wenn jemand versucht, mich zu verunsichern, dann gehen bei mir alle Alarmglocken an. Da gucke ich gleich mal doppelt hinter die Kulisse.

"Ich bin ja der Meinung, man kann durch Beharrlichkeit ganz viel lernen. Ich kann heute vieles, was ich mir früher nicht zugetraut habe. Wenn man es einfach macht, kann man viel lernen. Einfach dranbleiben. (...) Mit Beharrlichkeit kommt man auch irgendwann an."

Pia Wahl

Evelyn: Deine drei Punkte sind also Methodenexpertise, Neugier und Standhaftigkeit. Meinst du, dass man den letzten Punkt überhaupt lernen kann, wenn man nicht so veranlagt ist?

Pia: Ja. Ich bin ja der Meinung, man kann durch Beharrlichkeit ganz viel lernen. Ich kann heute vieles, was ich mir früher nicht zugetraut habe. Wenn man es einfach macht, kann man viel lernen. Einfach dranbleiben. Ich halte mich für keinen super-begabten Menschen, aber ich bin sehr beharrlich. Mit Beharrlichkeit kommt man auch irgendwann an. Vielleicht langsamer als mit Sonderbegabung, aber irgendwann kommt man an.

EVELYN: Das ist jetzt schon eine schöne Überleitung zu meiner letzten Frage, die ich dir gerne stellen wollte. Welchen Ratschlag würdest du denn jungen Kolleginnen und Kollegen mitgeben, die sich für eine Karriere im Bereich Evaluation interessieren?

PIA: Es gibt ja unterschiedliche Karrieren im Bereich Evaluation. Ich habe keinen universitären Hintergrund, ich habe Evaluation in der Praxis gelernt, nachdem ich schon viel anderes gemacht hatte. Das ist wichtig. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass man ohne wirkliche Arbeits- und Lebenserfahrung und auch Erfahrungen in komplexen Kontexten in den Bereich, in dem ich jetzt evaluiere, einsteigen könnte. Ich glaube, dass man für Evaluierungen selbst einfach bestimmte Dinge schon mal erlebt haben sollte. Damit man überhaupt die richtigen Fragen stellen kann. Es braucht eine gute Portion Lebenserfahrung. Sicherlich hilft es auch, wenn man in einem Team zu Beginn erst mal die eher technischen Aspekte übernehmen kann. So kann man einen Beitrag leisten, aber gleichzeitig lernen und gucken, was die erfahrenen Kolleginnen und Kollegen machen. Da sollte man auch immer offenbleiben und nicht meinen, wenn man eine Methodik kennt, wäre das schon ausreichend. Es ist darüber hinaus so wichtig, dass man es beispielsweise schafft, in Interviews ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, dass man die richtigen Fragen stellt. Auch in der Analyse.

EVELYN: Kann man das denn ganz bewusst lernen, oder ergibt sich das irgendwie automatisch im Prozess?

PIA: Ich kann es schon bewusst steuern, indem ich mir immer auch bewusst bin, dass ich da am Anfang einfach starke Defizite habe. Dass ich im Prinzip zu wenig Erfahrung habe, um mich der Komplexität zu nähern. Ich sage nicht, dass man das immer 100-prozentig schafft, wenn man älter ist. Die Komplexität bleibt komplex, und man schafft es eigentlich nie 100-prozentig. Aber das Bewusstsein der eigenen Limitierungen ist wichtig. Man darf sich aber nicht einschränken lassen sondern sollte versuchen, daran zu wachsen.

EVELYN: Liebe Pia, das ist ein sehr schönes Schlusswort. Ich danke dir herzlich für das Interview.

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